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Die Freuden der Schwulen

homo.net Info vom 12. Juni 2025
von Webmaster Jan

 

Er war 1969 bei den Unruhen von Stonewall dabei. 1977 erschien sein wohl bekanntestes Werk „Die Freuden der Schwulen“. 1985 wurde er HIV-positiv getestet. Da waren nach eigenen Angaben rund 200 seiner Freunde und Kollegen bereits schwer erkrankt oder schon tot. Jetzt ist Edmund White im Alter von 85 Jahren in seinem Haus in New York eines natürlichen Todes gestorben.

Der US-Schriftsteller war einer der einflussreichsten Vertreter der schwulen Literatur der letzten 50 Jahre. In seinen größtenteils autobiografischen Werken erzählte er von den 1950er-Jahren, als Homosexualität noch als Geisteskrankheit galt, natürlich von der Geburtsstunde aller Pride-Paraden, vom Leben bekannter schwuler Männer und zuletzt - am 28. Januar 2025 erschienen - von den Liebhabern seines Lebens: „The Loves of My Life“.

Wir alle kennen und lieben ihn für sein Handbuch zum Leben und Lieben: „Die Freuden der Schwulen / The Joy of Gay Sex“. In Deutsch ist das Buch ausverkauft, aber im Antiquariat in wenigen Exemplaren zu hohen Preisen erhältlich. Die englische Originalfassung ist relativ leicht im Internet zu finden.

Das reich illustrierte Buch war damals eine Sensation. Auch für Edmund White war es ein bedeutender Wendepunkt in seinem Leben, als er sich entschied, auf ein Pseudonym zu verzichten und die „Freuden“ unter seinem eigenen Namen zu veröffentlichen. Was es da alles zu entdecken gab, wovon wir bis dahin noch nie etwas gehört hatten!

Von androgyn über Blowjob, Coming-out, Gadgets, One-Night-Stand und Poppers bis zum Wassersport reichen die besprochenen Stichwörter. Der Ton ist heiter, unbeschwert, wahnsinnig freizügig und direkt, aber auch ernst bis warnend vor den Gefahren. Die Begriffe AIDS und HIV sucht man noch vergebens.

„Anus: Er ist lediglich ein weiteres Organ des Körpers und keine Todsünde. Dennoch haben kulturell bedingte Ängste bei vielen Menschen Phobien in Bezug auf ihr Arschloch hervorgerufen. Diese Voreingenommenheit gegenüber dem Anus ist rational nicht nachvollziehbar.“

„Blowjob: Bei fast jedem schwulen Treffen kommt es irgendwann dazu, dass jemand ein wenig Mundmusik spielt.“

„Booze: Wenn du entscheidest, dass du ein Alkoholproblem hast, solltest du den Anonymen Alkoholikern beitreten.“

„Penisgröße: Was für eine ermüdende Obsession das geworden ist! Größenfetischisten weisen viele heiße Männer zurück, nur weil sie um einen Millimeter zu kurz sind.“

Daneben gibt es immer auch heiße Illustrationen, nicht nur von griechischen Vasen und chinesischen Akten, sondern auch von vielen der beschriebenen Stichwörter - unzensiert und politisch inkorrekt!

Edmund White, wie schön, dass es dich gab! Du hast unsere ganze Generation über die Freuden der Schwulen aufgeklärt, in deiner unverwechselbaren Art.

In stiller Trauer
Jan
Webmaster
vom homo.net Team

 

Quellenangabe

Die Freuden der Schwulen (Originaltitel: The Joy of Gay Sex). Ein Handbuch zum Leben und Lieben von Dr. Charles Silverstein und Edmund White, illustriert von Michael Leonard, Ian Beck und Julian Graddon, 1977.
Conversations with Edmund White (Englisch) herausgegeben von Will Brantley und Nancy McGuire Roche, 2017.
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